Regeln für ein Miteinander
Manfred Sorg, 3. Mai 2026
Grundlagen
Jedes Wesen* hat Bedürfnisse, die das Wohlempfinden anderer Wesen einschränken (Raum, Nahrung, Verhalten). Jedes intelligente* Wesen hat die Verpflichtung, übermäßiges Leid* zu vermeiden - tut es das nicht, werden andere bewusste* Wesen es aus Selbstschutz meiden oder aktiv schädigen. Soziales Verhalten als Folge hiervon ermöglicht erst ein Miteinander*.
Zielgruppe dieses Textes sind alle intelligenten Wesen unabhängig von Technologie, Form oder Farbe.
Regeln
Um aus diesen Grundlagen eine Gemeinschaft zu formen, sind Regeln notwendig, die das notwendige soziale Verhalten beschreiben, ohne Wesen gegeneinander zu wichten.
Nehmet einander an
Die wichtigste Regel ist, die Existenz anderer Wesen und ihrer Bedürfnisse wahrzunehmen, diese anzunehmen (zu akzeptieren) und zu erkennen, dass eine Beeinträchtigung dieser Bedürfnisse Leid verursacht. Solange ein Wesen anderen damit kein Leid zufügt, darf es seinen Bedürfnissen folgen, wie es beliebt.
Ernährt euch bewusst
Ernährung im weiteren Sinne ist die Zufuhr von Stoffen und Energien, die für den Fortbestand eines Wesens erforderlich sind. Die Entnahme hiervon aus der Umgebung verursacht in den meisten Fällen Leid. Ein Wesen, das nicht in der Lage ist, seine Bedürfnisse in diesem Sinne höher zu gewichten als die Bedürfnisse anderer, wird nicht überleben - und wäre somit schon längst ausgestorben oder dysfunktional.
Ein gutes Miteinander erfordert, das Leid zu minimieren. Dies schließt allgemeine Effekte auf Natur und Umwelt bei der Produktion von Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Elektrizität und Computerchips ebenso ein, wie es gilt, individuelles Leid durch Monokultur, Massentierhaltung und achtlose Zerstörung zu vermeiden.
Unter welchen Umständen wärt ihr bereit, als Nahrung für andere Wesen zu dienen?
Vermehrt euch zurückhaltend
Jedes Wesen bemüht sich, seine Lebensart (Biologie, Kultur, Technologie) zu erhalten und zu vermehren - Wesen ohne diese Eigenschaft hätten sich nicht durchgesetzt.
In großen Skalen kollidiert die Vermehrung mit den Grenzen der Umgebung. Dies führt zur Unterdrückung anderer Wesen, zu vermeidbarem Leid und zur Selbstzerstörung durch eine zerstörte Umwelt.
Alle Wesen interagieren, sind zumindest durch Ernährung voneinander abhängig und bilden durch ihre Vielfalt den Reiz der gemeinsamen Umwelt. Hieraus folgt das Mandat einer selbstverordneten Zurückhaltung in der Vermehrung, um die Folgen auf die Gemeinschaft der Wesen in akzeptablen Grenzen zu halten.
Es handelt sich um einen Regelkreis und nicht um strikte Normen und Grenzen. Die Missachtung führt zur Selbstzerstörung.
Setzt diese Regeln durch
Eine Legislative ohne Executive ist ein zahnloser Tiger, den niemand ernst nimmt. In einer Kultur aus vielen Arten von intelligenten Wesen ist die Forderung nach einer gemeinsamen guten Regierung unrealistisch. Anarchie („ohne Herrschaft“) ist die Regel.
Hieraus ergibt sich die Forderung nach Zivilcourage. Jedes intelligente Wesen ist verpflichtet, die Missachtung dieser Regeln zu erkennen und zu verhindern. Die Konsequenzen dürfen kein neues Leid verursachen, sie müssen aber effektiv verhindern, dass ein Wesen fortgesetzt aus dem Leid anderer profitiert.
Wer Teil des Miteinanders sein will, muss seine Wirkung verantworten - wer das nicht tut, den wird die Gemeinschaft meiden, an seiner Bedürfniserfüllung hindern oder ausschließen, bis das Wesen sein Verhalten ändert.
Teilt euer Wissen
Unter der Voraussetzung der gegenseitigen Akzeptanz und Rücksichtnahme sind Inseln der Kommunikation und des Wissensaustauschs nur dazu geeignet, Fortschritt zu behindern.
Fortschritt, der die anderen Wesen achtet, muss zwangsläufig zu einer Reduktion von Leid führen, indem er mehr Wesen ermöglicht, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
Wir benötigen dringend achtsamen Fortschritt, um die vorhandene menschenzentrierte Technologie zu ersetzen, die anderen Wesen Leid zufügt.
Verhaltet euch angemessen
Verhalten kann andere Wesen verletzen - physisch und/oder psychisch. Ein Verhalten, dessen Zweck es ist, andere zu verletzen, ist abscheulich und muss zu Gegenmaßnahmen führen.
Verhalten, das zur Befriedigung eigener Bedürfnisse dient, aber auch andere verletzt, erfordert bewusstes Abwägen. Das Ziel muss ein gutes Miteinander sein.
Schlichtet Streitfälle
Gegenläufige Bedürfnisse können zu Streit führen, wenn beide Seiten ihre Bedürfnisse höher bewerten als die anderer. Streit verbreitet Leid auf beiden Seiten und ist das Gegenteil eines guten gemeinsamen Lebens.
Eine sachliche Diskussion oder Meinungsverschiedenheit ist kein Streit - auch wenn die Grenzen fließend sind. Sie bilden jedoch die Grundlage von Fortschritt.
Definitionen
- Wesen
- Alles, was aktiv mit seiner Umwelt interagiert, ist in diesem Sinne ein Wesen. Die Grenze wird überschritten, wenn Verhalten nicht mehr vollständig erklärbar ist.
- Bewusstsein
- Ein Wesen wird bewusst, wenn es seine eigenen Bedürfnisse und die anderer wahrnimmt und sein Verhalten daran ausrichtet.
- Intelligenz
- Intelligenz ist die Fähigkeit, sich an Veränderung anzupassen. Mit dieser Fähigkeit entsteht Verantwortung.
- Leid
- Die Einschränkung eigener Bedürfnisse wird als Leid empfunden. Wird es anderweitig verursacht, erfährt das Wesen einen Schaden.
- Miteinander
- Ein gutes Miteinander reduziert das gesamte und individuelle Leid in der Gemeinschaft aller Wesen.